Anwendungsfelder der Ganzkörper-Elektromyostimulation

Ganzkörper-Elektromyostimulation (GK-EMS) bezeichnet eine simultane Stimulation aller großer Muskelgruppen (mindestens sechs applizierte Stromkanäle) mit einem trainingswirksamen Reiz und wird als hochintensive und zeiteffiziente Trainingsform in unterschiedlichen Bereichen angewendet. Vom Fitnesstrend für Gewichtheber in den 1970er Jahren bis hin zu einem der am stärksten wachsenden Bereiche im Leistungsumfang gemäß DIN 33961 (Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen [DSSV], 2021): Das GK-EMS Training bietet für unterschiedlichste Anwenderinnen und Anwender eine optimale Möglichkeit, ihre persönliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und gezielt potenziellen Beschwerdebildern, wie z. B. unspezifischen Rückenschmerzen, entgegenzuwirken. GK-EMS wird daher sowohl im gesundheitssportlichen Setting, als auch in der kommerziellen Anwendung sowie im leistungssportlichen Kontext verwendet.

 

Ganzkörper-Elektromyostimulation

Anwendungsbereiche des GK-EMS

GK-EMS im Gesundheitssport

Patientinnen und Patienten können unterschiedlichste Beschwerdebilder aufweisen, aufgrund derer die Durchführung eines konventionellen Krafttrainings maßgeblich erschwert wird oder nur eingeschränkt möglich ist. Aspekte wie Bewegungsphobien, Gelenkarthrosen, unspezifische Rückenschmerzen oder Sarkopenie bzw. allgemeine orthopädische Beschwerdebilder sind hierbei nur einige zu nennende Beispiele, welche die Trainerinnen und Trainer vor schwere Aufgaben stellen.

Eine erhöhte Gelenkbelastung durch zusätzliche Gewichte bei konventionellem Krafttraining sowie der zeitliche Bedarf bei der Durchführung eines Ganzkörpertrainings mit vielen Übungen sind weitere Faktoren, welche in der Trainingsplanung berücksichtigt werden müssen. GK-EMS kann hier eine sinnvolle Ergänzung des Trainings darstellen, da durch die unwillkürliche Stimulation großer Muskelgruppen eine Verbesserung der individuellen Kraftfähigkeiten auch in statisch-stehender oder sogar liegender Position erreicht werden kann (Kemmler et al., 2015).

Des Weiteren konnten durch eine mehrwöchige GK-EMS Applikation Verbesserungen von unspezifischen Rückenschmerzen (Weissenfels et al., 2018), eine Verringerung des abdominalen Körperfettes, eine Vergrößerung der Extremitätenmuskulatur (Kemmler et al., 2015) sowie eine Verringerung des Blutdrucks und eine verbesserte Insulinresistenz erreicht werden (Bellia et al., 2020). Dies untermauert die umfangreichen Möglichkeiten einer Anwendung des GK-EMS im Gesundheitssport.

 

GK-EMS im Freizeit und Breitensport

Die Anwendung von GK-EMS im Freizeit- und Breitensport ist in Deutschland in unterschiedlichsten Fitness-, Boutique- und Mikrostudios der Fall und deckt die wohl größte Anwendergruppe des GK-EMS ab. Personen mit zeitlich begrenzten Ressourcen, einer extrinsischen Motivation sowie dem Wunsch nach einer individuellen Trainingsgestaltung haben beim GK-EMS Training die Möglichkeit, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern und individuellen Problematiken wie Rückenschmerzen oder allgemeinem Bewegungsmangel entgegen zu wirken.

Eine mehrwöchige GK-EMS Intervention kann bei einer durchschnittlichen, untrainierten Personengruppe (neben vielen weiteren Parametern) umfangreiche Verbesserungen der Maximalkraftfähigkeit unterschiedlicher Muskelgruppen sowie eine Verringerung des Körperfettanteils bewirken, weswegen GK-EMS im Freizeit- und Breitensport eine umfangreiche Anwendung findet (Berger et al., 2020).

 

GK-EMS im Leistungssport

Im Vergleich zu den vorangehend genannten Anwendungsbereichen stellt der Leistungssport den kleinsten Bereich dar. Hier kommt es vereinzelt zur Anwendung von GK-EMS bei Fußballern (Ludwig et al., 2020; Filipovic et al., 2019) und im Radsport (Berger et al., 2020), eine umfangreichere Anwendung bleibt allerdings bislang trotz der positiven Ergebnisse aus.

Unabhängig des Alters scheint es hierbei allerdings so, dass auch jugendliche Athleten vom GK-EMS profitieren und somit ein zeiteffizientes, intensives Krafttraining in ihren Trainingsalltag integrieren können. Durch die Stärkung der Muskulatur und den Ausgleich von potenziellen muskulären Dysbalancen wird die Verletzungsprophylaxe unterstützt und dadurch eine durchgehende Leistungssteigerung durch Ausbleiben von Verletzungspausen positiv beeinflusst (Berger, 2021; Ludwig et al., 2020). Somit scheint eine Anwendung im leistungssportlichen Kontext in mehreren Perspektiven eine sinnvolle Ergänzung der individuellen Trainingsroutine eines Athleten zu sein.

 

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass GK-EMS Training mit den unterschiedlichsten Zielgruppen durchgeführt werden kann und unabhängig der Charakterisierung positive Einflüsse auf die persönliche Leistungsfähigkeit zu haben scheint. Eine sichere Anwendung ist, unabhängig der zu trainierenden Zielgruppe, allerdings unbedingt zu beachten, weswegen Aspekte wie Kontraindikationen sowie eine sichere Trainingsumgebung beachtet werden müssen. Speziell der Entwicklung der Anwendung von GK-EMS im Heimgebrauch muss durch die entsprechenden Institutionen sowie geschultes und zertifiziertes Trainerpersonal entgegengewirkt werden, um die Effizienz sowie das positive Bild von GK-EMS als individualisierte, effektive und innovative Trainingsform aufrecht zu erhalten und die Trainierenden vor einer missbräuchlichen Eigenanwendung zu schützen.

 

EMS-Ausbildungen der BSA-Akademie

Um EMS-Trainer/in zu werden, stehen bei der BSA-Akademie die beiden Lehrgänge „EMS-Trainer/in“ und „EMS-Trainer/in (hybrid)“ zur Verfügung, in denen die gesetzlich geforderten Fachkundekompetenzen bereits enthalten sind. Die Lehrgangsinhalte und vermittelten Kompetenzen sind bei beiden Lehrgängen identisch. Sie unterscheiden sich lediglich in der Durchführungsweise der zweitägigen Präsenzphase.

Alle Infos zu den Lehrgängen:

EMS-Trainer/in

EMS-Trainer/in (hybrid)

 

 

Quellen:

  1. Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen. (2021). Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2021. Hamburg: DSSV.

  2. Bellia, A., Ruscello, B., Bolognino, R., Briotti, G., Gabrielli, P. R., Silvestri, A. et al. (2020). Whole-body Electromyostimulation plus Caloric Restriction in Metabolic Syndrome. Int J Sports Med, 41 (11), 751–758.

  3. Berger, Joshua; Ludwig, Oliver; Becker, Stephan; Kemmler, Wolfgang; Fröhlich, Michael (2020): Effects of an 8-Week Whole-Body Electromyostimulation Training on Cycling Performance, Back Pain, and Posture of a 17-Year-Old Road Cyclist. In: International Journal of Athletic Therapy and Training 26 (2).

  4. Berger, J., Ludwig, O., Becker, S., Backfisch, M., Kemmler, W. & Fröhlich, M. (2020). Effects of an Impulse Frequency Dependent 10-Week Whole-body Electromyostimulation Training Program on Specific Sport Performance Parameters. Journal of Sports Science andMedicine, 19 (2), 271–281.

  5. Berger, J. (2021). Eine Evaluation der Anwendbarkeit und Effektivität von Ganzkörper-Elektromyostimulation. Dissertation. https://doi.org/10.26204/KLUEDO/6286

  6. Filipovic, Andre; DeMarees, Markus; Grau, Marijke; Hollinger, Anna; Seeger, Benedikt; Schiffer, Thorsten et al. (2019): Superimposed Whole-Body Electrostimulation Augments Strength Adaptations and Type II Myofiber Growth in Soccer Players During a Competitive Season. In: Frontiers in physiology 10 (1187).

  7. Kemmler, W., Teschler, M. & Stengel, S. von. (2015). Effekt von Ganzkörper-Elektromyostimulation – „A series of studies“. Osteologie, 23 (1), 20–29.

  8. Ludwig, Oliver; Berger, Joshua; Schuh, Torsten; Backfisch, Marco; Becker, Stephan; Fröhlich, Michael (2020): Can A Superimposed Whole-Body Electromyostimulation Intervention Enhance the Effects of a 10-Week Athletic Strength Training in Youth Elite Soccer Players? In: Journal of Sports Science and Medicine 19 (3), S. 535–546.

  9. Weissenfels, Anja; Wirtz, Nicolas; Dörmann, Ulrike; Kleinöder, Heinz; Donath, Lars; Kohl, Matthias et al. (2019): Comparison of Whole-Body Electromyostimulation versus Recognized Back-Strengthening Exercise Training on Chronic Nonspecific Low Back Pain: A Randomized Controlled Study. In: BioMed Research International 2019.