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Grundlagen der Prävention und Gesundheitsförderung im Kommunalen Gesundheitsmanagement

Warum spielen Prävention und Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle für die Zukunft unseres Gesundheitssystems? – besonders auf kommunaler Ebene. Welche Grundlagen, Konzepte und gesetzlichen Rahmenbedingungen prägen das kommunale Gesundheitsmanagement und warum übernehmen qualifizierte Fachkräfte dabei eine Schlüsselrolle?

 

  • Alterung und chronische Erkrankungen als zentrale gesundheitliche Herausforderungen
  • Setting-Ansatz als Kern der Gesundheitsförderung
  • Setting Kommune als Dachsetting der Gesundheitsförderung
  • Prävention und Gesundheitsförderung als kommunale Zukunftsaufgabe
  • Fachkraft für Kommunales Gesundheitsmanagement als Schlüssel zum Aufbau kommunaler gesundheitsförderlicher Strukturen

 

Prävention und Gesundheitsförderung als Zukunftsstrategien

Nicht erst im Zuge der jüngsten Reformvorschläge zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen werden Gesundheitsförderung und Prävention als Ansatzpunkte gesehen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Wenn Menschen nicht mehr oder in geringerem Maße erkranken, reduziert dies die individuelle Gesundheitsbelastung, aber es entlastet auch die Gesundheitssysteme und damit die Zahler von Sozialversicherungsbeiträgen. Eine erhöhte Krankheits- und damit Kostenlast wird unter anderem mit dem steigenden Alter der Bevölkerung, aber auch einer Vielzahl an gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen in Verbindung gebracht.

Die demografische Alterung der deutschen Gesellschaft und die damit verbundenen Herausforderungen lassen sich schon mit wenigen Kennzahlen klar darstellen: Die Lebenserwartung von Männern ist auf mittlerweile 78,5 Jahre und die von Frauen auf 83,2 Jahre angestiegen und zusammen mit den geringen Geburtenraten führt dies zu einem Anstieg der älteren und hochaltrigen Menschen in Deutschland: Senioren (65 plus Jahre) machen bereits 22 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Bis 2050 wird erwartet, dass mehr als jeder vierte Einwohner über 65 Jahre alt sein wird. Für die älteren Bürgerinnen und Bürger wie für die Sozialsysteme ist es von Bedeutung, dass die Alterung mit einer höheren Krankheitslast einhergeht. So zeigt sich eine Abnahme der subjektiven Gesundheit um 26,8 Prozent auf 31,0 Prozent bei Frauen und um 20,1 Prozent auf 42,2 Prozent bei Männern zwischen 65 und 79 Jahren im Vergleich zu den über 80-Jährigen. Parallel zeigt sich eine Zunahme der Multimorbidität oder anderer Krankheitsindikatoren. Auch hinsichtlich der Pflegebedürftigkeit besteht eine Korrelation mit dem Alter. In der Altersgruppe der 70- bis 75-Jährigen haben 9,3 Prozent der Betroffenen Pflegebedarf, dieser Wert steigt auf 81,6 Prozent bei den über 90-Jährigen (Gaertner et al, 2023).

Neben der Alterung und den damit einhergehenden Gesundheitsbelastungen ist es von Bedeutung, dass der Schwerpunkt der gesundheitlichen Belastungen in Ländern wie Deutschland auf chronisch-degenerativen Erkrankungen liegt, also Erkrankungen mit langanhaltenden Verläufen. Zuvorderst sind hier die Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu nennen, die sowohl bei den Todesursachen wie auch den Ursachen für Krankenhausaufenthalte an vorderster Stelle liegen. Und zwar vor weiteren chronischen Erkrankungen wie Krebs und Diabetes. Im Hinblick auf Arbeitsunfähigkeiten und Arbeitsunfähigkeitstage sind zunehmend auch psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen aufzuführen. Für alle diese Erkrankungen ist es wichtig, dass sie nicht aus einer einzigen Ursache entstehen, sondern auf ein enges Geflecht von individuellen (verhaltensbezogenen) und verhältnisabhängigen Risikofaktoren zurückzuführen sind (OECD, 2025).

Ottawa-Charta als Grundsatzdokument der Gesundheitsförderung

Im Zuge eines Paradigmenwechsels in der öffentlichen Gesundheit (Public Health) auf Basis des Salutogenesemodells von Antonovsky entstand 1986 die Ottawa-Charta (WHO, 1986), die Gesundheit als eine Querschnittsaufgabe über den medizinischen Sektor hinaus definierte. Nach dem „Health in All Policies“-Ansatz wird die Schaffung von Gesundheit als Aufgabe aller politischen und gesellschaftlichen Bereiche begriffen und die Befähigung (Empowerment) des Einzelnen und der Gemeinschaft zur Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit rückt in den Mittelpunkt gesundheitsfördernden Handelns. Dabei nimmt der Setting-Ansatz eine zentrale Rolle ein. Gemäß diesem Ansatz sollen die Lebenswelten (Settings), in denen Menschen einen Großteil ihrer Zeit verbringen, gesundheitsförderlich umgestaltet werden.

Aufgrund der vielfältigen Einflussfaktoren auf die Entstehung von chronisch-degenerativen Erkrankungen greifen klassische, medizinisch orientierte, Präventionsansätze in diesem Bereich meist zu kurz. Mit ihrem umfassenden Ansatz über fünf Handlungsfelder betont die Ottawa-Charta die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Gesundheit. Die fünf Handlungsfelder sind: gesunde Gesamtpolitik, gesundheitsfördernde Lebenswelten, Gemeinschaftsaktionen, persönliche Kompetenzen und Neuausrichtung der Gesundheitsdienste.

Dachsetting Kommune

Mit Blick auf den Handlungsansatz „Gesundheitsförderliche Lebenswelten schaffen“ und vor dem Hintergrund der Alterung und der damit einhergehenden gesundheitlichen Herausforderungen gilt die Gesundheitsförderung im Setting Kommune als zentral und das Setting Kommune wird auch als „Dachsetting“ bezeichnet. Denn unter diesem „Dach“ finden sich verschiedene Einflussbereiche auf die Gesundheit wieder. Hier finden sich die Lebenswelten des Lernens, des Arbeitens und der Freizeitgestaltung. Zudem erreicht das Setting Kommune auch solche Menschen, die über die Einzelsettings wie (Hoch-)Schule, Kita oder Betrieb nur eingeschränkt erreichbar sind. Gerade diese Zielgruppen haben jedoch oft einen besonderen Unterstützungsbedarf. Hier sind beispielsweise Familien und Alleinerziehende, arbeitslose Menschen und insbesondere ältere und alte Menschen zu nennen.

Das Präventionsgesetz

Das Präventionsgesetz von 2015 definiert verschiedene Lebenswelten als für die Gesundheit bedeutsame soziale Systeme, insbesondere die Bereiche Wohnen, Lernen, Studieren, medizinische und pflegerische Versorgung sowie Freizeitgestaltung und Sport. Viele dieser Bereiche fallen direkt in die Zuständigkeit oder den Wirkungskreis von Kommunen (beispielsweise Kindertageseinrichtungen, Schulen, Seniorenfreizeitstätten). Um gesundheitsfördernde Verhältnisse zu schaffen und die Gesundheit von Menschen zu fördern, kommt der Kommune als „Dachsetting“ eine Schlüsselfunktion zu. Damit gesundheitliche Chancengleichheit gewährleistet werden kann, werden Fachkräfte benötigt, die ein wirksames kommunales Gesundheitsmanagement planvoll einführen und umsetzen können. Denn kommunale Prävention und Gesundheitsförderung ist ein systematischer und bedarfsorientierter Prozess (u. a. orientiert an den Qualitätskriterien des GKV-Leitfadens Prävention; GKV-Spitzenverband, 2025). Der Gesundheitsförderungsprozess umfasst die Identifikation eines Handlungsbedarfs, die Festlegung von Zielen und Strategien sowie die Planung, Steuerung und Evaluation konkreter Maßnahmen.

Die bedeutende Rolle, die die Kommune im Hinblick auf Gesundheitsförderung und Prävention spielt, greift das Präventionsgesetz von 2015 auf. Gemäß dem Gesetz fungiert die Kommune als zentraler Ort der Umsetzung, an dem die verschiedenen Sozialversicherungsträger (Kranken-, Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung) ihre Leistungen koordinieren und mit den bestehenden kommunalen Strukturen (wie dem Gesundheitsamt oder der Jugendhilfe) verzahnen sollen. Die Krankenkassen sind beauftragt, in diesen Lebenswelten den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen zu fördern. Aus dem Gesetz ergibt sich für die Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Politik ein enges Geflecht von Akteuren, das von Fachleuten gemanagt werden muss. Mögliche Partner der Kommunen sind der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD), die Träger der örtlichen öffentlichen Jugendhilfe oder auch die kommunalen Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Die Krankenkassen verstehen ihren Auftrag als befristete Unterstützung im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei ist auf eine enge Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Lebenswelten zu achten.

Fachkraft für kommunales Gesundheitsmanagement als Schlüssel zum Aufbau kommunaler gesundheitsförderlicher Strukturen

Der Lehrgang „Fachkraft für Kommunales Gesundheitsmanagement“ der BSA-Akademie greift das Aufgabenprofil für Mitarbeitende im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung auf und qualifiziert die Teilnehmer zum eigenständigen Aufbau eines nachhaltigen Kommunalen Gesundheitsmanagements unter Berücksichtigung einer bedarfs- und prozessorientierten Vorgehensweise.

Für Kommunen ist die Qualifizierung von Mitarbeitenden zur „Fachkraft für Kommunales Gesundheitsmanagement“ ein strategischer Vorteil, da sie sich so als gesundheitsfördernde Kommune klar positionieren können und sich zu Prävention und Gesundheitsförderung als kommunaler Zukunftsaufgabe bekennen können. Mit Fachkräften zur Kommunalen Gesundheitsförderung lassen sich gesundheitsförderliche Strukturen und Netzwerke entwickeln, die im Sinne des Präventionsgesetzes kommunale Präventionsketten hervorbringen sollen. Zusammen mit den Krankenkassen und unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sollen die geschulten Fachkräfte rechtssicher förderfähige Projekte mit langfristiger Wirkung entwickeln, durchführen und evaluieren. Gemäß Planungsmodellen wie dem „Public Health Action Cyle“ agieren Fachkräfte für Kommunale Gesundheitsförderung an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis und sorgen für Bedarfsanalysen, Planung, Umsetzung, Evaluation und Verbesserung von kommunalen Gesundheitsprojekten.

Der Lehrgang „Fachkraft für Kommunale Gesundheitsförderung“ beruht auf Grundlagen zur Epidemiologie und Demografie und den theoretischen Grundlagen des Setting-Ansatzes. Auf dieser Basis werden Strukturen des Kommunalen Gesundheitsmanagements erarbeitet und der Gesundheitsförderungsprozess eingeführt. Damit Projekte auch gelingen und nachhaltig wirken, werden zudem Kompetenzen zum Projektmanagement, dem Netzwerkmanagement und Methodenkompetenzen zu Marketing und Öffentlichkeitsarbeit vermittelt.

 

Literatur:

Gaertner, B., Scheidt-Nave, C., Koschollek, C. & Fuchs, J. (2023). Gesundheitliche Lage älterer und hochaltriger Menschen in Deutschland: Ergebnisse der Studie Gesundheit 65+. Journal of Health Monitoring, 8 (3), 7–31. https://doi.org/10.25646/11564

GKV-Spitzenverband. (2025). Leitfaden Prävention. Handlungsfelder und Kriterien nach § 20 Abs. 2 SGB V zur Umsetzung der §§ 20, 20a und 20b SGB V. Fassung vom 17. Dezember 2025. Verfügbar unter https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/praevention__selbsthilfe__beratung/praevention/praevention_leitfaden/20251218_Leitfaden_Pravention_2025_barrierefrei.pdf

Organisation for Economic Cooperation and Development & European Observatory on Health Systems and Policies. (2025). Länderprofil Gesundheit 2025: Deutschland (State of Health in the EU). Verfügbar unter https://eurohealthobservatory.who.int/docs/librariesprovider3/country-health-profiles/chp2025pdf/2025_translations/soheu-2025-germany-native-language-final-web.pdf?sfvrsn=b27d6809_2

World Health Organization. (1986). The Ottawa Charta for Health Promotion. First International Conference on Health Promotion, Ottawa, 21 November 1986. Verfügbar unter https://www.phac-aspc.gc.ca/ph-sp/docs/charter-chartre/pdf/charter.pdf