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Gewichtsregulation erreichen mit Ernährungsberatung

Der Body-Mass-Index (BMI) ist eine der bekanntesten Kennzahlen zur Bewertung von Körpergewicht und damit für die Einschätzung von Übergewicht und Adipositas. Er ist einfach zu berechnen und liefert eine schnelle Orientierung. Für die individuelle Beurteilung der Gesundheit hat er jedoch klare Grenzen, denn der BMI berücksichtigt weder die Zusammensetzung des Körpers noch die Verteilung von Körperfett oder die damit zusammenhängenden Stoffwechselprozesse. So können zwei Menschen mit identischem BMI gesundheitlich sehr unterschiedlich aufgestellt sein. Während eine sportlich trainierte Person einen hohen Muskelanteil besitzt, kann eine äußerlich schlanke Person dennoch einen erhöhten Anteil an viszeralem Fett aufweisen, was einen Risikofaktor für zahlreiche Stoffwechselerkrankungen darstellt.

 

Der BMI allein reicht also nicht aus, um die tatsächliche Situation im Körper zuverlässig abzubilden. Besonders wichtig ist dabei eine oft übersehene Gruppe, denn schätzungsweise 20 % der Menschen mit normalem BMI zeigen bereits metabolische Auffälligkeiten. Diese sogenannten metabolisch ungesunden Normalgewichtigen haben ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen, obwohl ihr Gewicht unauffällig erscheint (Stefan, Schick & Häring, 2017).

BMI und Alternativen – warum mehrere Werte sinnvoll sind

Die wissenschaftliche Forschung kennt daher verschiedene ergänzende Messgrößen, die das Gesundheitsrisiko besser einordnen können. Besonders relevant sind sogenannte Taillenumfang-basierte Maße wie der Taillenumfang selbst (engl. Waist Circumference, kurz WC) oder das Taille-zu-Größe-Verhältnis (engl. Waist-to-Height-Ratio, kurz WHtR). Sie erlauben Rückschlüsse auf das stoffwechselaktive Bauchfett. Studien zeigen, dass solche Maße das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilweise besser vorhersagen können als der BMI allein (Ashwell, Gunn & Gibson, 2012; Chan, Cao, Wong, Lo & Tam, 2023).

Auch komplexere Indizes wie der Body Roundness Index (BRI), Relative Fat Mass (RFM) oder kombinierte Risikoscores existieren. Allerdings haben diese Indizes wiederum andere Schwächen, weshalb sich bisher keiner als Standard etablieren konnte. Aktuell muss man also festhalten, es gibt keinen einzelnen „besten“ Wert. Stattdessen liefert die Kombination mehrerer Parameter, beispielsweise BMI plus Taillenumfang, ein vollständigeres Bild der individuellen Gesundheit.

Der metabolische BMI – ein genauerer Blick auf den Stoffwechsel

Ein neuer Ansatz zur genaueren Beurteilung der Stoffwechselgesundheit ist der metabolische BMI (metBMI). Im Gegensatz zum klassischen BMI basiert er nicht nur auf Gewicht und Größe, sondern integriert umfassende Daten zu Stoffwechselprozessen im Körper, darunter Blutparameter und Informationen zum Darmmikrobiom.

In einer aktuellen Studie konnten aus über 1.000 untersuchten Stoffwechselprodukten 66 zentrale Marker identifiziert werden, die das individuelle metabolische Risikoprofil abbilden. Der metBMI steht dabei in engem Zusammenhang mit Faktoren wie viszeralem Fett, Entzündungsprozessen und Insulinresistenz (Chakaroun et al., 2026).

Die Ergebnisse zeigen, dass ein erhöhter metBMI mit einem deutlich gesteigerten Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Fettleber und andere Adipositas-assoziierte Erkrankungen verbunden ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Stoffwechselzustand entscheidend dafür sein kann, wie der Körper auf Maßnahmen zur Gewichtsreduktion reagiert. In einer Teilanalyse zeigte sich, dass Personen mit erhöhtem metBMI nach bariatrischen Operationen wie einer Magenverkleinerung im Durchschnitt rund 30 % weniger Gewicht verloren als Personen mit günstigerem metabolischem Profil (Chakaroun et al., 2026). Hier wird die unmittelbare praktische Relevanz der Beachtung des individuellen Stoffwechselgeschehens deutlich, um den Erfolg therapeutischer Maßnahmen abschätzen zu können.

Darmmikrobiom und Stoffwechsel – mehr als nur Verdauung

Ein zentraler Bestandteil dieser neuen Perspektive ist das Darmmikrobiom. Es beeinflusst, wie der Körper Nährstoffe verarbeitet, Energie gewinnt und Entzündungsprozesse reguliert.

Ausgangspunkt ist die Erkenntnis aktueller Forschung, dass das sogenannte Metabolom – also die Gesamtheit der im Blut zirkulierenden Stoffwechselprodukte – ein umfassenderes Bild der metabolischen Gesundheit liefert. Dieses wird durch Faktoren wie Genetik, Ernährung, Lebensstil und das Darmmikrobiom geprägt. Da Darmmikrobiom und Metabolom eng miteinander verknüpft sind, beeinflussen sie sich gegenseitig. Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien können sich direkt auf Stoffwechselprozesse im Körper auswirken – und umgekehrt. Gerade bei Übergewicht und Adipositas zeigen sich häufig Veränderungen in dieser Wechselwirkung (Cirulli et al., 2019). So weisen Personen mit ungünstigem metabolischem Profil häufig eine geringere mikrobielle Vielfalt auf und sind weniger in der Lage, Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren umzuwandeln. Diese als gesundheitlich vorteilhaft zu bewertenden Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle für die Regulation von Appetit, Blutzucker und Entzündungsprozessen (Carey & Montag, 2021; Wu et al. 2020).

Für die Praxis bedeutet das, dass bei einer gesunderhaltenden Ernährung nicht allein die Kalorienbilanz zählt, sondern auch grundlegende Stoffwechselprozesse im Körper. Eine ballaststoffreiche, ausgewogene Ernährung kann daher einen wichtigen Beitrag zur metabolischen Gesundheit leisten.

Grenzen des metBMI – und was er trotzdem zeigt

Trotz seines Potenzials ist der metBMI aktuell nur eingeschränkt in der Praxis nutzbar. Die zugrunde liegenden Analysen sind aufwendig und kostenintensiv, sodass eine breite Anwendung im Alltag derzeit nicht realistisch ist.

Dennoch liefert der Ansatz eine wichtige Erkenntnis: Die Zukunft des Gewichtsmanagements liegt in der individualisierten Betrachtung von Ernährung und Stoffwechsel. Pauschale Empfehlungen werden zunehmend durch personalisierte Strategien ergänzt. Unabhängig davon, wie differenziert Stoffwechselprozesse künftig erfasst werden können, bleibt die praktische Frage entscheidend: Wie lässt sich das Körpergewicht gesund und langfristig beeinflussen?

Ernährungstipps zur Gewichtsreduktion bzw. -stabilisierung

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Stoffwechsel, Darmmikrobiom und Adipositas zeigen, dass erfolgreiches Gewichtsmanagement nicht auf kurzfristigen Diäten basiert, sondern auf langfristig umsetzbaren Ernährungsstrategien. Entscheidend beim Abnehmen ist ein moderates Kaloriendefizit, kombiniert mit einer ausgewogenen und alltagstauglichen Ernährung.

Zentrale Prinzipien sind:

  • Moderates Kaloriendefizit: Ein Defizit von etwa 300–500 kcal pro Tag unterstützt eine nachhaltige Gewichtsabnahme, ohne den Körper unnötig zu belasten.
  • Nährstoffreiche Lebensmittelauswahl: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß und viel Gemüse, welches Ballaststoffe und Mikronährstoffe liefert, unterstützt Sättigung und Stoffwechsel.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Regelmäßig Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte zu essen, kann die Darmgesundheit fördern und gleichzeitig zur Sättigung beitragen.
  • Alltagstauglichkeit: Flexible Ernährungsstrategien sind langfristig erfolgreicher als kurzfristige sehr strenge Diäten.

Orientierung bieten unter anderem Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, die eine pflanzenbetonte und ausgewogene Ernährung als Grundlage für die Prävention und Therapie von Übergewicht und Adipositas hervorheben (Deutsche Gesellschaft für Ernährung [DEG], 2024; Deutsche Adipositas-Gesellschaft [DAG], 2024)

Tipp: Eine einfache Strategie im Alltag ist es, jede Mahlzeit mit einer Portion Gemüse zu ergänzen und stark verarbeitete Lebensmittel schrittweise zu reduzieren. Das unterstützt nicht nur die Kalorienkontrolle, sondern auch die Stoffwechselgesundheit.

Praxisbezug & Nutzen im Gewichtsmanagement

Die Forschung zeigt, dass jeder Körper unterschiedlich auf Ernährung und Maßnahmen zur Gewichtsreduktion reagiert. Faktoren wie Stoffwechsel, Darmmikrobiom und Lebensstil beeinflussen den Erfolg maßgeblich.

Damit gewinnt die personalisierte Ernährung zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, individuelle Strategien zu entwickeln, die langfristig umsetzbar sind und sowohl gesundheitliche als auch persönliche Ziele berücksichtigen.

Hier spielen qualifizierte Ernährungsfachkräfte eine zentrale Rolle. Sie helfen dabei,

  • wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu erklären
  • individuelle Ernährungsstrategien zu entwickeln
  • Motivation und Verhaltensänderung zu unterstützen
  • typische Fehler wie Crash-Diäten oder Jo-Jo-Effekte zu vermeiden

Berufliche Chancen & Weiterbildung

Mit der steigenden Zahl an Menschen mit Übergewicht und Adipositas wächst auch der Bedarf an qualifizierter Ernährungsberatung. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen, neben klassischen Ernährungskenntnissen sind heute auch Kompetenzen in den Bereichen Stoffwechsel, Verhaltenspsychologie und Bewegung gefragt.

Moderne Weiterbildungen im Bereich Gewichtsmanagement greifen diese Entwicklungen auf. Sie vermitteln sowohl theoretisches Wissen über physiologische Prozesse als auch praktische Fähigkeiten – etwa zur Erstellung individueller Ernährungspläne, zur Durchführung strukturierter Beratungsgespräche und zum Einsatz geeigneter Tools. Auch mentale Strategien zur langfristigen Gewichtsstabilisierung spielen eine wichtige Rolle.

Fazit: 

Der BMI bleibt ein hilfreiches Instrument zur ersten Orientierung, reicht jedoch allein nicht aus, um die komplexen Prozesse im Körper zu erfassen. Neue Ansätze wie der metabolische BMI zeigen, dass Stoffwechselgesundheit und individuelle Unterschiede eine entscheidende Rolle spielen – auch wenn deren praktische Anwendung aktuell noch begrenzt ist.

Für ein nachhaltiges Gewichtsmanagement bei Übergewicht und Adipositas bleibt entscheidend: Ein moderates Kaloriendefizit, eine ausgewogene Ernährung und langfristig umsetzbare Strategien bilden die Grundlage. Gleichzeitig gewinnt die individuelle Betrachtung des Stoffwechsels zunehmend an Bedeutung.

Wer diese Aspekte berücksichtigt und bei Bedarf auf qualifizierte Unterstützung zurückgreift, schafft die besten Voraussetzungen für langfristige und gesundheitlich sinnvolle Erfolge.

 

Quellenverzeichnis:

Ashwell, M., Gunn, P., & Gibson, S. (2012). Waist‐to‐height ratio is a better screening tool than waist circumference and BMI for adult cardiometabolic risk factors: systematic review and meta‐analysis. Obesity Reviews, 13. doi.org/10.1111/j.1467-789x.2011.00952.x.

Chakaroun, R. M., Pradhan, M., Björnson, E., Arvidsson, D., Fridolfsson, J., Gummesson, A., et al. (2026). Multi-omic definition of metabolic obesity through adipose tissue-microbiome interactions. Nature medicine, 32(1), 113–125. doi.org/10.1038/s41591-025-04009-7

Chan, V., Cao, L., Wong, M., Lo, K., & Tam, W. (2023). Diagnostic Accuracy of Waist-to-Height Ratio, Waist Circumference, and Body Mass Index in Identifying Metabolic Syndrome and Its Components in Older Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis. Current Developments in Nutrition, 8. doi.org/10.1016/j.cdnut.2023.102061.

Cirulli, E. T., Guo, L., Leon Swisher, C., Shah, N., Huang, L., Napier, L. A. et al. (2019). Profound Perturbation of the Metabolome in Obesity Is Associated with Health Risk. Cell metabolism, 29(2), 488–500.e2. doi.org/10.1016/j.cmet.2018.09.022

Deutsche Adipositas Gesellschaft e.V. (DAG) (2024): S3-Leitlinie Adipositas - Prävention und Therapie. Version 5.0. Online verfügbar unter register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001, zuletzt geprüft am 20.05.25.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (2024): Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen. Online verfügbar unter www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen/.

Stefan, N., Schick, F., & Häring, H. U. (2017). Causes, Characteristics, and Consequences of Metabolically Unhealthy Normal Weight in Humans. Cell metabolism, 26(2), 292–300. doi.org/10.1016/j.cmet.2017.07.008

Wu, H., Tremaroli, V., Schmidt, C., Lundqvist, A., Olsson, L. M., Krämer, M. et al. (2020). The Gut Microbiota in Prediabetes and Diabetes: A Population-Based Cross-Sectional Study. Cell metabolism, 32(3), 379–390.e3. doi.org/10.1016/j.cmet.2020.06.011