Gewichtsmanagement: Sind die Gene schuld am Übergewicht?

Die einen können essen so viel sie wollen und nehmen trotzdem nicht zu. Die anderen werfen nur einen Blick auf die Torte und haben schon wieder ein halbes Kilo mehr auf den Hüften. So oder so ähnlich ist der subjektive Eindruck Vieler, und die Schlussfolgerung ist klar: Es liegt an den Genen. Aber stehen wir unserem Erbgut tatsächlich so machtlos gegenüber?

 

Gewichtsmanagement: Sind die Gene schuld am Übergewicht?

Übergewicht und Adipositas stellen ein weltweites Gesundheitsproblem dar. Allein in Deutschland gelten über 50 % der Erwachsenenbevölkerung durch einen BMI >25 kg/m² als übergewichtig (Statistisches Bundesamt, 2018). Die Gründe hierfür sind vielfältig. Neben der Ernährung und dem Lebensstil können auch bestimmte Krankheiten und Medikamente sowie eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen.

In einer aktuellen Studie aus Österreich wurde das Erbgut von metabolisch gesunden, schlanken Personen untersucht. Die Forschenden fanden dabei eine auffällige Mutation des ALK (anaplastic lymphoma kinase) -Gens. Diese Genvariante konnte im Tierversuch eine gewisse Resistenz gegenüber einer nahrungsbedingten Gewichtszunahme bewirken (Orthofer et al., 2020).

Doch sind alle ohne dieses „Schlankheitsgen“ zu Übergewicht verurteilt?

Die klare Antwort: Nein! Denn äußere Einflüsse sind viel entscheidender als unsere Erbanlagen, zumal sich die Aktivität von Genen durch die Lebensführung beeinflussen lässt (Mochizuki et al., 2017). Hinzu kommt, dass das Vorhandensein eines Risiko-Gens für Übergewicht, wie beispielsweise bestimmte Risiko-Mutationen im FTO (fat mass and obesity-associated) -Gen, die Gewichts- und Körperfettreduktion im Zuge einer Diät nicht erschweren muss (Antonio et al., 2019).

Es ist erst die Kombination verschiedener genetischer und umweltbedingter Faktoren, die zu einer starken Gewichtszunahme bis hin zur Adipositas führen kann. Die Hauptursachen sind in den meisten Fällen aber Bewegungsmangel und Überernährung. Eine individuelle Beratung und Betreuung in diesem Bereich ist daher unerlässlich, um nachhaltig Körperfett zu reduzieren und ein gesundes Körpergewicht langfristig zu halten.

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Der Lehrgang „Berater/in für Gewichtsmanagement“ der BSA-Akademie bietet die Möglichkeit, sich mit dem Thema Körpergewichtsregulation aus wissenschaftlicher und anwendungsorientierter Sicht zu befassen. Um dann mithilfe verschiedener Ernährungsweisen, Bewegung und Verhaltensmodifikationen individuelle und erfolgreiche Strategien für den/die Klienten/-in entwickeln zu können.

 

 

Literatur:

Antonio, J., Knafo, S., Kenyon, M., Ali, A., Carson, C., Ellerbroek, A. et al. (2019). Assessment of the FTO gene polymorphisms (rs1421085, rs17817449 and rs9939609) in exercise-trained men and women: the effects of a 4-week hypocaloric diet. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 16(1), 36. doi.org/10.1186/s12970-019-0307-6

Mochizuki, K., Hariya, N., Honma, K., & Goda, T. (2017). Relationship between epigenetic regulation, dietary habits, and the developmental origins of health and disease theory. Congenital anomalies, 57(6), 184–190. doi.org/10.1111/cga.12213

Orthofer, M., Valsesia, A., Mägi, R., Wang, Q. P., Kaczanowska, J., Kozieradzki, I. et al. (2020). Identification of ALK in Thinness. Cell, 181(6), 1246–1262.e22. doi.org/10.1016/j.cell.2020.04.034

Statistisches Bundesamt (Destatis) 2018. Mikrozensus 2017 – Fragen zur Gesundheit. Zugriff am 19. Mai 2021. Verfügbar unter www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Gesundheitszustand-Relevantes-Verhalten/Publikationen/Downloads-Gesundheitszustand/koerpermasse-5239003179004.pdf